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Ja, Telegram war 2024 zum ersten Mal profitabel. Pavel Durov verkündete das am 23. Dezember 2024, und die Zahlen, die Investoren vorgelegt und 2025 von der Financial Times veröffentlicht wurden, nennen 1,4 Milliarden Dollar Umsatz und 540 Millionen Gewinn, nach 173 Millionen Verlust im Jahr 2023. Das erste Halbjahr 2025 endete trotzdem mit einem Nettoverlust, weil der Toncoin abstürzte. Hier liest du, woher das Geld kommt, wie es im Fall Durov weiterging und was das für dich bedeutet, wenn du einen Kanal betreibst, bei dem Telegram Abonnenten inzwischen bares Geld wert sind.
Wie viel hat Telegram 2024 verdient?
Die erste Ankündigung kam von Pavel Durov selbst, auf X, am 23. Dezember 2024: „Telegram is now profitable“. Er nannte drei Eckdaten. Die Zahl der Telegram-Premium-Abonnenten hatte sich in einem Jahr auf über 12 Millionen verdreifacht. Die Werbeeinnahmen waren „um ein Mehrfaches“ gestiegen. Und der Umsatz 2024 lag über einer Milliarde Dollar, bei mehr als 500 Millionen Dollar Barmitteln zum Jahresende, ohne Krypto-Bestände.
Die genauen Zahlen folgten 2025, als Telegram Investoren vor einer Anleiheemission seine Bilanz zeigte. Die Financial Times veröffentlichte sie, Medien wie TASS und LIGA.net griffen sie auf:
- Umsatz 2024: 1,4 Milliarden Dollar, nach 343 Millionen im Jahr 2023;
- Nettogewinn 2024: 540 Millionen Dollar, nach einem Verlust von 173 Millionen im Vorjahr;
- etwa die Hälfte des Umsatzes unter „Partnerschaften und Ökosystem“, 292 Millionen aus Premium und 250 Millionen aus Werbung;
- Ziel für 2025: 2 Milliarden Umsatz und 720 Millionen Gewinn.
Ein Punkt verdient einen zweiten Blick. Die Hälfte des Umsatzes stammt weder aus Abos noch aus Werbung, sondern aus Vereinbarungen rund um den Toncoin, die Kryptowährung des TON-Ökosystems. Genau diese Abhängigkeit machte das Folgejahr schwieriger.
Wie verdient Telegram Geld?
In seinen ersten acht Jahren verkaufte Telegram nichts. Durov finanzierte die App aus seinem Privatvermögen, später über Schulden. Die Monetarisierung begann 2021 und stützt sich heute auf vier Quellen.
- Telegram Premium: das 2022 gestartete Bezahl-Abo mit höheren Limits, schnelleren Downloads und exklusiven Funktionen. Über 12 Millionen Abonnenten Ende 2024, 292 Millionen Dollar Umsatz im Jahr.
- Werbung: gesponserte Nachrichten mit höchstens 160 Zeichen, eingeblendet in öffentlichen Kanälen ab 1.000 Abonnenten, ohne Targeting auf Basis privater Chats, so die offizielle Plattform Telegram Ads. 250 Millionen Dollar im Jahr 2024.
- Stars und In-App-Käufe: eine interne Währung, mit der man Mini-Apps, Inhalte und Geschenke bezahlt.
- Exklusivvereinbarungen mit dem TON-Ökosystem: der größte Posten und der schwankungsanfälligste, weil er am Kurs des Toncoin hängt.
Durov erklärte seine Haltung 2025 im Podcast von Lex Fridman mit einem Satz, den er oft wiederholt: Prinzipien vor Gier. Er lehnt es ab, private Daten für Werbung zu nutzen. Der Ausschnitt unten fasst seine Position zusammen.
@lexfridman How Telegram makes money: Principles over greed – clip from Lex Fridman Podcast 482 with Pavel Durov. Guest bio: Pavel Durov is the founder and CEO of Telegram.
Schulden, Anleihen und Kasse: Wo steht Telegram?
In seinem Post vom Dezember 2024 schrieb Durov, Telegram habe in vier Jahren rund 2 Milliarden Dollar Schulden aufgenommen und im Herbst 2024 einen großen Teil davon zurückgezahlt, weil die Marktbedingungen günstig waren.
Im Mai 2025 sammelte Telegram rund 1,7 Milliarden Dollar über Wandelanleihen ein, vor allem um 2026 fällige Anleihen zu refinanzieren und zurückzukaufen. Ein Teil hängt fest: 500 Millionen Dollar seiner Anleihen sind wegen westlicher Sanktionen beim russischen Zentralverwahrer NSD eingefroren, berichtete die Financial Times laut Finance Magnates.
Was mich überrascht, ist das Tempo der Wende: 142 Millionen Dollar Barmittel Mitte 2024, 910 Millionen ein Jahr später. Ein guter Teil kam aus Krypto, denn Telegram teilte Investoren mit, 2025 Toncoin im Wert von über 450 Millionen Dollar verkauft zu haben, ebenfalls laut Financial Times.
Was ist mit Pavel Durov in Frankreich passiert?
Das Jahr der Profitabilität war auch das Jahr der Festnahme. Pavel Durov wurde am 24. August 2024 am Flughafen Le Bourget festgenommen, bei seiner Ankunft aus Aserbaidschan. Am 28. August leitete die Pariser Justiz laut Mitteilung der Staatsanwaltschaft ein förmliches Ermittlungsverfahren gegen ihn ein: wegen Beihilfe zum Betrieb einer Plattform, die illegale Transaktionen ermöglicht, zur Verbreitung von Kindesmissbrauchsdarstellungen, zu Drogenhandel, Betrug und Geldwäsche, sowie wegen Verweigerung von Auskünften gegenüber den Behörden.
Die Auflagen waren streng: 5 Millionen Euro Kaution, Meldepflicht zweimal pro Woche bei der Polizei, Ausreiseverbot. The Verge fasste die Vorwürfe im Video unten zusammen, veröffentlicht am 30. August 2024.
@verge Telegram CEO Pavel Durov is charged with enabling illegal transactions and complicity in the distribution of CSAM. #telegram #paveldurov #privacy #news #techtok #vergecast
Danach wurden die Auflagen gelockert. Im Juli 2025 durfte Durov in die Vereinigten Arabischen Emirate reisen, wo er lebt, für Aufenthalte von höchstens zwei Wochen. Am 13. November 2025 meldete France 24, der Ermittlungsrichter habe das Ausreiseverbot und die Meldepflicht in Nizza vollständig aufgehoben, weil Durov seine Auflagen „vollständig eingehalten“ habe. Das Verfahren selbst läuft weiter, Durov bestreitet jedes Fehlverhalten.
Ist Telegram 2025 und 2026 noch profitabel?
Bei der Reichweite sieht es gut aus. Am 19. März 2025 meldete Durov „deutlich über eine Milliarde“ monatlich aktive Nutzer. Damit ist Telegram ohne WeChat die zweitgrößte Messenger-App der Welt, hinter WhatsApp.
Bei den Zahlen ist das Bild gemischter. Laut Financial Times stieg der Umsatz im ersten Halbjahr 2025 um 65 % auf 870 Millionen Dollar. Die Abo-Einnahmen verdoppelten sich fast auf 223 Millionen, Werbung brachte 125 Millionen. Rund 300 Millionen kamen weiterhin aus Toncoin-Exklusivvereinbarungen. Der operative Gewinn lag bei knapp 400 Millionen. Doch der Toncoin verlor 2025 rund 69 % seines Werts, und Telegram musste seine Bestände abschreiben: über 220 Millionen Dollar Nettoverlust im Halbjahr, nach 334 Millionen Gewinn ein Jahr zuvor.
Anders gesagt: Das Messenger-Geschäft verdient Geld, das Endergebnis hängt aber am Kurs einer Kryptowährung. Ende Mai 2025 kündigte Durov außerdem einen Einjahresdeal mit Elon Musks xAI an, um den Chatbot Grok zu verteilen, für 300 Millionen Dollar in bar und Anteilen (CNBC). Musk antwortete noch am selben Tag, es sei nichts unterschrieben. Und einen Börsengang will Telegram laut Aussagen gegenüber Anleihegläubigern erst angehen, wenn der Fall Durov klarer ist.
Was das für Kanalbetreiber bedeutet
Die Profitabilität von Telegram betrifft nicht nur Aktionäre. Seit 2024 zahlt die Plattform 50 % der Werbeeinnahmen an die Betreiber der Kanäle aus, in denen die Anzeigen laufen, und diese Anzeigen erscheinen nur in öffentlichen Kanälen ab 1.000 Abonnenten (Telegram Ads, Seite abgerufen am 22. September 2026). Je mehr Werbung Telegram verkauft, desto mehr kann dein Kanal verdienen.
Konkret zählt Folgendes, wenn du mitverdienen willst:
- Knack die 1.000 Abonnenten: Das ist die Schwelle für Anzeigen. Darunter bekommst du von der Werbeplattform nichts. Ein erster Schub Telegram Abonnenten bringt dich schneller dorthin.
- Poste regelmäßig: Die Werbeplattform verkauft Aufrufe. Ein Kanal, der selten postet, erzeugt wenige Einblendungen.
- Bleib bei einem klaren Thema: Werbetreibende wählen die Kanäle selbst aus, ein klares Thema zieht besser bezahlte Anzeigen an.
- Ergänze mit Premium-Inhalten und Stars: bezahlte Beiträge, Abos, Geschenke. Über diese beiden Quellen hat Telegram 2024 und 2025 am meisten gesprochen.
Dein Telegram-Kanal steht kurz vor 1.000 Abonnenten?
Das ist die Schwelle für geteilte Werbeeinnahmen. Ein Schub Abonnenten bringt dich schneller hin und macht deinen Kanal für neue Leser glaubwürdiger.



